Förderanträge

Angaben zum Umgang mit Forschungsdaten in Drittmittelanträgen

Viele Forschungsförderer verlangen, dass in Anträgen auf Fördermittel Angaben zum Umgang mit Forschungsdaten gemacht werden. Dafür kann ein Antragskapitel vorgesehen sein, oder es muss ein Datenmanagementplan (DMP) mit eingereicht werden. Formale und inhaltliche Vorgaben variieren nicht nur zwischen den Drittmittelgebern, sondern auch zwischen den Disziplinen und einzelnen Förderprogrammen oder Ausschreibungen.

Antragstellende sind sich oft unsicher, wie die Erwartungshaltung der Förderer zu Inhalt und Detailgrad solcher FDM- Angaben ist und inwieweit diese in die Begutachtung einfließen. Auf dieser Seite haben wir Infos, Fragen und Antworten nach bestem Wissen zusammengestellt.

Hinweis

Einige Angaben spiegeln unsere persönlichen Einschätzungen aufgrund unserer bisherigen Beratungserfahrung wieder oder beruhen auf informeller Kommunikation mit Vertreter*innen von Drittmittelgebern und Projektträgern. Wir bemühen uns, auch im Austausch mit den Förderorganisationen und Kolleg*innen an anderen Forschungsinstitutionen, um eine fortlaufende Aktualisierung und Konkretisierung.

Was Sie generell beachten sollten

  • Allgemeine Tipps für Antragskapitel zum Forschungsdatenmanagement (FDM) und für Datenmanagementpläne (DMP)
    • Nehmen Sie das FDM-Kapitel bzw. den DMP ernst und entwerfen Sie sie nicht erst kurz vor Abgabe-Deadline! Das Thema FDM wird immer wichtiger und hat daher auch zunehmend Einfluss auf das Votum der Gutachtenden.
       
    • Bleiben Sie beim Thema. Es geht NUR um den Umgang mit DATEN. Aussagen zu Ihren geplanten Journal-Artikeln, besuchten Konferenzen oder Ihrer Meinung zur Bedeutung von Open Science allgemein gehören eher nicht hierher.
       
    • Werden Sie so konkret wie möglich und vermeiden Sie allgemeine Floskeln. Beispiel: Statt "Wir machen regelmäßig Backups" lieber so etwas wie "Die Daten werden täglich über den "Backup & Restore"-Dienst auf Servern des Rechenzentrums der LUH gesichert".
       
    • Schreiben Sie kurze Sätze (oder auch nur Stichpunkte) mit klaren Aussagen.
       
    • Seien Sie realistisch. Versprechen Sie nur, was Sie auch wirklich umsetzen können. Wenn Sie konkrete Dienste, Infrastrukturen usw. benennen, informieren Sie sich vorab, ob diese tatsächlich Ihren Anforderungen entsprechen.
       
    • Lesen Sie sorgfältig im Antragsleitfaden, der DMP-Vorlage oder der Förderausschreibung nach, wozu genau der Förderer Angaben erwartet. Prüfen Sie, ob Ihr Text tatsächlich jeden genannten Punkt abdeckt!
  • Datenmanagement-Anforderungen wichtiger Förderer

    Praktisch alle Förderer, die FDM-Angaben erwarten, verlangen die Einhaltung der sogenannten FAIR-Prinzipien. Ihre Daten sollen also für Dritte auffindbar (findable), zugänglich (accessible), mit anderen Daten und technischen Systemen kompatibel (interoperable) und nachnutzbar (re-usable) sein.

    "Muss ich alle meine Daten veröffentlichen?"

    Nein, kein Förderer erwartet, dass Sie immer alles veröffentlichen, und auch nicht, dass Sie immer alles aufheben. Sie sollten aber stets bewusst und begründet entscheiden, welche Daten Sie aufheben oder gar veröffentlichen und welche nicht. Gründe, die gegen eine Veröffentlichung sprechen, können zum Beispiel rechtlicher oder ethische Natur sein. In den Leitlinien 13 und 17 des DFG-Kodex zur guten wissenschaftlichen Praxis wird das berücksichtigt. In EU-Projekten gilt das Prinzip "as open as possible, as closed as necessary", was letztlich auf dasselbe hinausläuft.

    In Ihrem Antrag oder einem dazugehörigen Datenmanagementplan legen Sie dar, wie genau Sie das gewährleisten. Hintergrund ist, dass möglichst viele mit öffentlichen Geldern entstandene Daten möglichst umfassend ausgewertet werden sollen, auch über das ursprüngliche Projekt hinaus. Außerdem sind die auf diesen Daten basierenden Forschungsergebnisse dann besser nachvollziehbar und überprüfbar.

    Wichtig!

    Gutachtende sind normalerweise angehalten, die Anträge auch an den Standards des jeweiligen Faches zu messen. Informieren Sie sich daher, was in Ihrem Fach allgemein als „Best Practice“ anerkannt ist, und ob ggf. sogar fachspezifische FDM-Richtlinien existieren. Solche Informationen finden Sie zum Beispiel in online-Portalen von Fachorganisationen und NFDI-Konsortien und auf der FDM-Seite der DFG.


    TIPP: Im neuen DFG-Portal „Wissenschaftliche Integrität“ können Sie sich zu den einzelnen „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ fachspezifische Kommentare anzeigen lassen.

Science Europe hat einen Leitfaden für das Erstellen und Begutachten von Datenmanagementplänen herausgegeben, an dem sich viele Förderer orientieren.

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

  • Welche FDM-Angaben werden in welcher Form verlangt?

    Die DFG sieht in fast allen ihrer Förderprogramme ein FDM-Antragskapitel vor. Was darin beschrieben werden soll, können Sie den jeweiligen Antragsleitfäden oder -mustern entnehmen. Für eine Sachbeihilfe (Kapitel 5.2) lautet die derzeitige Formulierung (Juli 2021) zum Beispiel:

     „[…] Wenn im Projekt systematisch Forschungsdaten oder Informationen gewonnen werden, erläutern Sie bitte Art, Umfang und Dokumentation der Daten sowie die geplante Aufbewahrung. Gehen Sie auch auf die Möglichkeit der Nachnutzung durch andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein. Bitte berücksichtigen Sie dabei auch - sofern vorhanden - die in Ihrer Fachdisziplin existierenden Standards und die Angebote existierender Datenrepositorien oder Archive. […]“

    Die DFG stellt eine Checkliste bereit, in der noch einmal ausführlicher beschrieben ist, welche Informationen in den FDM-Antragskapiteln erwartet werden.

    Außerdem können Sie im dafür vorgesehenen Kapitel (Sachbeihilfe: Kapitel 7) Mittel für FDM-spezifische Ausgaben beantragen, die nicht in die Grundausstattung fallen. Das können zum Beispiel Kosten für Zusatzpersonal sein, das Daten besonders aufwendig für eine Nachnutzung aufbereitet, oder auch Kosten für die Datenpublikation. Wenn Sie externe Dienstleister beauftragen wollen, prüfen Sie, ob diese über eine Gebührenordnung verfügen, oder holen Sie rechtzeitig individuelle Angebote ein.

    Beachten Sie bitte auch die weiteren Informationen und insbesondere die FAQ auf der DFG-Seite zu Forschungsdaten.

  • Wie umfangreich sollte das FDM-Kapitel sein?

    Das hängt vom Förderprogramm, der Größe des Projektes und dem jeweiligen Fach bzw. Forschungsgegenstand ab. Eine Vorgabe seitens der DFG gibt es dazu nicht. Bei Sachbeihilfen und Skizzen (GRK, SFB) empfehlen wir, dem Kapitel eine halbe bis ganze Seite zu widmen. Bei Vollanträgen von größeren Projekten kann es auch deutlich mehr sein, weil Sie dann genauer auf Themen wie Datenaustausch zwischen den Projektbeteiligten (Rechte/Infrastruktur), einheitliche Standards (Dokumentation/Dateiformate etc.) und ggf. Datenschutzkonzepte eingehen sollten.

  • Wie sollte das FDM-Kapitel strukturiert sein?

    Am besten orientieren Sie sich an der DFG-Checkliste, die jedoch als Hilfestellung und nicht als verbindliche Vorgabe zu verstehen ist. Je nach Projekt kann es sinnvoll sein, die Reihenfolge der Informationen zu ändern oder nicht relevante Punkte wegzulassen.

  • Wird die Einhaltung der im Antrag gemachten Angaben geprüft?

    Eine routinemäßige Prüfung aller Projekte erfolgt nicht. Wenn Sie aber einen Fortsetzungsantrag stellen, wird schon genauer hingeschaut, ob Sie Ihre Ankündigungen zur ersten Projektphase auch umgesetzt haben. Ansonsten könnte eine Prüfung anlassbezogen erfolgen, wenn es zum Beispiel Hinweise auf wissenschaftliches Fehlverhalten gibt.

Europäische Union (EU)

Hinweis

Die genauen Anforderungen können sich je nach Programmlinie (Action) unterscheiden. Da die weitaus meisten Anträge im Rahmen der Research and Innovation Action (RIA) oder der Innovation Action (IA) gestellt werden, beziehen sich die folgenden Ausführungen vorrangig auf die Vorgaben zu diesen Programmlinien.

  • Welche FDM-Angaben werden in welcher Form verlangt?

    Wenn Sie einen Antrag stellen, müssen Sie im Abschnitt B (Project proposal -Technical description) des Standard Application Form (HE RIA, IA) unter Punkt 1.2 (Methodology, Seite 8) auf maximal einer Seite auf das geplante Datenmanagement eingehen. Insbesondere sollen Sie angeben, mit welchen Datenarten Sie arbeiten, wie Sie die FAIR-Prinzipien berücksichtigen und welche Ressourcen (Personal und Geldmittel) Sie für die Aufbereitung und langfristige Aufbewahrung der Daten veranschlagen.

    Bei Bewilligung müssen Sie zusätzlich innerhalb von sechs Monaten ab Förderbeginn einen Datenmanagementplan (DMP) vorlegen. Dieses Dokument soll im Laufe des Projekts regelmäßig aktualisiert und ggf. ergänzt werden, mindestens aber zur Mitte und zum Ende der Projektlaufzeit. Die den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Daten sind "so früh wie möglich", also normalerweise vor Ende der Projektlaufzeit, Open Access zu veröffentlichen.

    Weitere Infos finden Sie im kommentierten Standardvertrag, dem sogenannten "Annotated Grant Model Agreement", in Anhang 5 (HE Communication, Dissemination, Open Science and Visibility) auf den Seiten 152-153 und in den Erläuterungen unter Punkt 2.2. "Open science: research data management" auf den Seiten 158-160. Außerdem wird im Horizon Europe Programme Guide im Kapitel Open Science (S. 38-54) ausführlich auf die Anforderungen an das Forschungsdatenmanagement und an Datenmanagementpläne eingegangen.

  • Wie umfangreich sollten die FDM-Angaben im Antragsformular bzw. der DMP sein?

    Die Angaben im Antragsformular dürfen maximal eine Seite lang sein. Für einen im Projektverlauf erstellten Datenmanagementplan (DMP) gibt es keine solche Beschränkung. Der Umfang richtet sich also nach den Anforderungen Ihres Projekts. Da bei ortsverteilten und interdisziplinären Verbundprojekten meist sehr unterschiedliche lokale Gegebenheiten und fachspezifische Anforderungen an das Datenmanagement zu berücksichtigen sind, sollten Sie mit einem Umfang von mindestens drei Seiten rechnen. Üblich sind aber eher um die 10 Seiten.

    TIPP: Halten Sie den DMP für das Gesamtprojekt eher kurz und allgemein und regeln Sie Details in standort- oder teilprojektspezifischen Unter-DMP. Das ist übersichtlicher und ermöglicht es, besser auf Gegebenheiten vor Ort (z.B. vorhandene IT-Infrastruktur) einzugehen.

  • Wie sollten die FDM-Angaben im Antragsformular bzw. der DMP strukturiert sein?

    Im Antragsformular sind die Inhalte, die Sie beschreiben sollen, recht genau vorgegeben (Punkt 1.2 Methodology, Seite 8). Es empfiehlt sich, auch die Reihenfolge beizubehalten, also mit einer Beschreibung der Datentypen zu beginnen, dann darzustellen, wie sichergestellt wird, dass Daten auffindbar, zugänglich, kompatibel und nachnutzbar sind (FAIR-Prinzipien) und schließlich auf die für das Datenmanagement und die Archivierung vorgesehenen Ressourcen einzugehen. Diese Reihenfolge ist allerdings nicht vorgeschrieben. Wichtig ist aber, dass Sie alle genannten Punkte inhaltlich abdecken.

    Zum Erstellen von Datenmanagementplänen in Horizon Europe-Projekten gibt es eine Vorlage für MS-Word, die eine Kapitelgliederung und Leitfragen für die inhaltliche Ausgestaltung enthält.

    Wenn Sie diese Vorlage nicht nutzen möchten, ist es dennoch ratsam, die Kapitelgliederung zu übernehmen. An einigen Punkten werden Sie allerdings merken, dass bestimmte Informationen mehrere Kapitel betreffen. Sie müssen sich dann nicht wiederholen, sondern sollten auf die entsprechenden Stellen verweisen, in denen Sie dazu schon etwas geschrieben haben ("siehe...").

    Für die meisten online-Tools zum Erstellen von Datenmanagementplänen wie RDMO, Argos und DMPonline sind Vorlagen für Horizon Europe-DMP in Arbeit und werden bald zur Verfügung stehen.

  • Wird die Einhaltung der im Antrag bzw. im DMP gemachten Angaben geprüft?

    Ihre Angaben im Grant Agreement sind Bestandteil des Fördervertrags und daher rechtlich bindend. Der DMP gehört zu den sogenannten Lieferleistungen, den "Deliverables", und muss in einer ersten Version spätestens sechs Monate nach Beginn der Projektlaufzeit vorgelegt werden. Er sollte außerdem bei Bedarf, mindestens aber im Rahmen der periodischen Berichterstattung und für den Endbericht des Projekts aktualisiert werden.

    Die Vollständigkeit und Qualität der FDM-Kapitel und DMP sind Evaluationskriterium für Zwischen- und Abschlussberichte. Unseres Wissens gibt es dafür sogar spezielle Gutachtende. Sie melden ihre Beurteilung an die/den jeweilige/n Project Officer zurück, der/dem es dann überlassen ist, ob und in welcher Form er/sie Nachbesserungen einfordert.

    Eine regelmäßige Überprüfung, ob die darin beschriebenen Maßnahmen tatsächlich vor Ort umgesetzt werden, wird vermutlich nicht stattfinden. Bei Angaben, die sich online prüfen lassen (z.B. zu Datenpublikationen nach den FAIR-Prinzipien), sollten Sie aber mit Stichproben rechnen. Im Falle von Beschwerden könnte es zudem eine tiefergehende anlassbezogene Prüfung geben.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)